Liegt ein Problem des Risikos vor, d.h. sind belastbare numerische Schätzer vom Eintreffen spezifischer Ereignisse oder Entscheidungenkonsequenzen verfügbar, ist eine Hauptfragestellung, wie Risikokommunikation hier transparent, ausgewogen und verständlich für die Verbraucher sein kann? Fünf Herausforderungen sind hierbei:
3D-Risikostraße
Die Risikostraße ordnet verschiedene Verbraucherrisiken nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit binnen eines Jahres. Um häufigere wie seltenere Ereignisse gleichermaßen gut zu verstehen, werden die Zahlen grafisch zueinander ins Verhältnis gesetzt. Hierbei ist die Bandbreite von fast sicheren Ereignissen bis zu extrem seltenen Ereignissen dargestellt, die aufgrund ebenjener Bandbreite linear kaum zu durchmessen sind: einerseits werden die Ereignisse logarithmisch angelegt, andererseits jedoch durch die Perspektive Konsistenz mit menschlicher Perzeption hergestellt, denn statische logarithmische Risikoleitern in 2 Dimensionen sind für viele Verbraucher missverständlich. Die Interaktion mit diesem digitalen Werkzeug erlaubt dann die Exploration aller Bereiche dieser „Straße“ - als Weiterentwicklung von Risikoleitern. Um die Orientierung im linearen Spektrum zwischen den Wahrscheinlichkeiten von 100% (sicheres Ereignis) bis 0% (kein Ereignis) zu erleichtern, ist eine Navigationskarte in den rechten Bildrand eingearbeitet. Um den Vergleich von verschiedenen Risiken, die nicht ähnlich wahrscheinlich sind, zu ermöglichen, lassen sich Risiken mit einem Lesezeichen versehen und formen so eine sortierte Liste, die wiederrum als PDF exportierbar ist. Details zu den einzelnen Risiken werden durch Klick auf die Darstellung abgerufen. Das Häufigkeitsformat mit je 100.000 Referenzgruppe soll die Verwendung von kleineren Prozentzahlen, von denen bekannt ist, dass Sie für einen großen Anteil von Verbrauchern missverständlich sind, erleichtern. Zusätzliche Stratifizierungen nach Alter, Geschlecht und Beeinflussbarkeit sind möglich (Top-Navigation), wenn die Datenlage es zulässt.
Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen: Häufigkeitsbeobachtungen öffentlicher Verzeichnisse, Befragungen, Bevölkerungsstudien, Modellierungen. Die Quellen sind für jedes einzelne Ereignis angegeben.
Die meisten Risikoschätzungen zeichnen sich durch relativ niedrige Evidenzqualität aus. Zum einen fehlt es an systematischen Erfassungen von Prävalenzen bei Verbraucherereignissen, da zu wenig Bevölkerungsstudien, sondern Betroffenenerfassungen zugrunde liegen. Zum anderen sind mögliche Interessenskonflikte kaum auszuschließen.
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Felix G. Rebitschek, Michael Zitzmann in Zusammenarbeit mit Data Science and Stories